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Ausgekochte, universale, klingende und debattierte Materie

Geschrieben von Begabtenförderung. Veröffentlicht in Begabtenförderung

- Chemie - Physik - Musik - Rhetorik -

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Einige Schülerinnen und Schüler des Hildegardis-Gymnasiums sind tatsächlich nicht nur an Schultagen in Sachen Bildung unterwegs sind, sondern auch in den Ferien oder am Wochenende - und sind davon begeistert!

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Zu Beginn der vergangenen Sommerferien durfte Lara Schmidt (10.Jgst.) zur Talentakademie Rangsdorf bei Berlin fahren, um an einem der vier möglichen Projekte „Medizin“, „Rap“, „Radio“ oder „Politik“ teilzunehmen. Sie entschied sich für das Radioprojekt und produzierte zusammen mit den anderen Projektteilnehmern eine einstündige Radio-Sendung, die auch live im Tonstudio aufgezeichnet wurde.

Das andere Foto, das ihre besondere Interessen- und Begabungsvielfalt dokumentiert, entstand in der Musikakademie Marktoberdorf auf der Probenphase des Kammermusik-Kurses, der vom Begabungsstützpunkt Memmingen aus organisiert wird.

Auch in diesem Schuljahr nimmt Lara wieder an dem Kammermusik-Kurs, der am Bernhard-Strigel-Gymnasium in Memmingen stattfindet, teil.
8 weitere Schülerinnen und Schüler des Hildegardis-Gymnasiums, manche von ihnen sogar in Doppelbelegung zweier Kurse, machen sich in regelmäßigen Abständen außerhalb der regulären Schulzeit auf den Weg, um ihrem Wissensdrang in speziellen Sachgebieten nachzugehen oder ihre musischen sowie rhetorischen Fertigkeiten auszubauen.

Hannah Hamacher (8. Jgst.), Lara Köhler (8.Jgst.) und Lara Schmidt (10.Jgst.) fahren an das Bernhard-Strigel-Gymnasium Memmingen zum „Kammermusikunterricht mit den Mitgliedern des „AMUN-Quartetts“ sowie Nadine Natter (Jgst.10) und Charlize Senkyr (Jgst.9) zu „Rote Riesen, Weiße Zwerge und Schwarze Löcher – Astrophysik“.

Jan Schilling (10.Jgst.) fährt an das Gymnasium Königsbrunn zum Kurs „Genial II – Mikrobiologie und Gentechnik experimentell entdecken“ und zusätzlich noch an das Joseph-Bernhart-Gymnasium Türkheim wie auch Eva Schauer (11.Jgst.), um den Kurs „Ausgekocht: Präparative Organische Chemie“ zu besuchen.

An das Carl-von-Linde-Gymnasium Kempten geht Felix Brandner (9.Jgst.) zum Kurs „Experimente mit Microcontrollern“. Außerdem nimmt er am Kurs „Debattieren/Debating“ von Dr. Georg Tannheimer am Hildegardis-Gymnasium teil, ebenso Sherwin Rahimi (12.Jgst.).  

Das verbindende Element dieser Vielfalt lautet „Begabungsstützpunkte der Gymnasien Schwabens“. An vier Gymnasien des Regierungsbezirks, am Gymnasium Marktoberdorf, am Bernhard-Strigel-Gymnasium Memmingen, am Holbein-Gymnasium Augsburg und am Johann-Michael-Sailer-Gymnasium Dillingen werden diese überaus interessanten und sehr bereichernden, außerunterrichtlichen Kursangebote für begabte und sehr interessierte Gymnasiasten Schwabens organisiert und koordiniert, wobei die Kurse selbst auch an anderen Gymnasien der Region stattfinden können.

Das Geniale an diesen Kursen ist die Umsetzung einer wichtigen Erkenntnis der Hochbegabtenforschung: Außerschulische Fördermöglichkeiten sollten sich möglichst mit schulstoffergänzenden bzw. –fernen Inhalten auseinandersetzen.

Auf Grund der Berücksichtigung dieser Prämisse u. a. in Form von speziellen Experimenten und Exkursionen sind die oben genannten Schülerinnen und Schüler begeisterte Teilnehmer ihrer gewählten Kurse. So erlauben z. B. die neuen technischen Möglichkeiten im sanierten Chemietrakt des Joseph-Bernhart-Gymnasiums die Herstellung von Substanzen aus allen Bereichen des Lebens, wie sie sonst nur an Hochschulen und in der Industrie möglich sind.

Hier ein paar Eindrücke von der Exkursion zur „Wacker Chemie AG“, aufgeschrieben von Eva Schauer (Jgst.11), die auch letztes Schuljahr schon am Chemiekurs des Begabungsstützpunktes Memmingen mit dem Titel "Chemie und Molekularbiologie" teilnahm.

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„Noch etwas zu früh an einem Sonntagmorgen Anfang Juli traf sich eine kleine Gruppe Chemiebegeisterter vor dem Bernhard-Strigel-Gymnasium in Memmingen. Nach einer kurzen Begrüßung stiegen wir in einen Bus und machten uns auf den Weg nach Mühldorf am Inn. Trotz gelegentlicher Staus kamen wir noch rechtzeitig an und konnten endlich in unsere Zimmer einziehen und nach einer Stunde zu einer Stadtführung durch den historischen Stadtkern von Mühldorf aufbrechen. Nachdem die restliche Zeit vor dem Abendessen mit Kicker- und Tischtennisturnieren gefüllt worden war, ging es nach dem Essen zu Bayerns größtem Minigolfplatz, wo wir trotz des einen oder anderen sommerlichen Regenschauers einen sehr schönen Abend verbringen konnten.

Am nächsten Morgen machten wir uns dann auf den Weg um unser eigentliches Ziel zu besichtigen:

Das Wacker-Werk in Burghausen.

Es ist eine der 23 Produktionsstätten der Wacker Chemie AG, die inzwischen weltweit knapp 17.000 Angestellte beschäftigt und auch im Jahr 2014 fast 5 Milliarden Euro Umsatz machte.

Dementsprechend groß war die Aufregung, als wir in den Bus stiegen, durch die Sicherheitskontrolle fuhren und schließlich im Werk standen.

Zuerst wurden wir mit einer kleinen Erfrischung begrüßt und bekamen dann eine ausführliche Präsentation über das Werk in Burghausen gezeigt. Direkt im Anschluss wurden wir sicherheitstechnisch unterwiesen, bekamen Helme ausgeteilt, und sofort ging die Besichtigung los. Das Werk, das die Größe einer Kleinstadt hat, ist komplett durchzogen von einem Gewirr von Rohren, welche die verschiedensten Chemikalien von einem Fachbereich in den nächsten transportieren, weswegen man, immer wenn man nach oben schaut, größtenteils Rohre sieht.

Im Laufe des Tages hatten wir die Möglichkeit in verschiedenste Bereiche der Wacker-Chemie Einblick zu gewinnen, vielen erfahrenen Chemikern über die Schulter zu schauen und unseren Berufswunsch weiter zu konkretisieren, wobei auch der anschließende Besuch in der Ausbildungsstätte sehr weiter half.

Ziemlich erschöpft stiegen wir am Abend wieder in den Bus zurück nach Memmingen und fielen am Ende des Tages reich an Eindrücken und neuen Ideen in unsere Betten.“

 Charlize Senkyr (9.Jgst.) fuhr am 20. Oktober 2017 zur Jahrestagung der Heisenberg-Gesellschaft nach Garching.

Die Schülergruppe des Astrophysik-Kurses von Andreas Kellerer hörte zwei Vorträge an:

1. Prof. Dr. Manfred Popp (KIT Karlsruhe) über „Heisenberg und das deutsche Uranprojekt 1939-45“

2.Prof. Dr. Otfried Gühne (Universität Siegen) „Ist der Zufall real?“

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Von dem hohen Niveau der Vorträge und dem darüber hinaus noch „straffen Programm“ ließ sich Charlize nicht abschrecken. Sie freut sich schon auf den Höhepunkt des Kurses, die Exkursion nach Genf an das CERN, das Europäische Forschungszentrum für Teilchenphysik.

Auf jeden Fall scheint es kein Zufall zu sein, dass einige Jugendliche diese Angebote der Begabtenförderung aus eigenem Antrieb wahrnehmen. Nach Angaben der Karg-Stiftung nämlich wird ein hoher Anteil (40-50%) intellektueller Hochbegabung von Kindern und Jugendlichen - definiert als geistiges Potenzial, das entwickelt werden will - den Einflüssen der Umwelt zugeschrieben und kann folglich durch die Kurse der Begabungsstützpunkte in eine sehr positive Richtung gelenkt werden.

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C. Haas