Schule in Bewegung - Handyprojekttag

Am Dienstag, dem 28.06.2016, waren alle SchülerInnen und LehrerInnen des Hildegardis-Gymnasiums Kempten in Sachen kritischer Handynutzung auf den Beinen. Ein Schultag der ungewöhnlichen Art, an dem kein normaler Fachunterricht stattfand, sondern je nach gewähltem Projekt eine kreative, statistische, filmische, theatralische oder physikalische Beschäftigung rund um die gesellschaftlich brennende Frage „Wie nutze ich mein Smartphone sinnvoll?“
Einige repräsentative Ergebnisse seien hier exemplarisch vorgestellt. Weitere Eindrücke sind zu sehen auf der Schülerzeitungshomepage www.cursiv-online.de.

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Besonderer Dank geht an alle KollegInnen, die sich in Sachen kritischer Handynutzung engagiert, ihren Fachunterricht zurückgestellt und sich tatkräftig der Medien-Erziehung unserer Jugendlichen gewidmet haben. Dass die ein oder andere Schülerhand nun vielleicht kurz zuckt, bevor sie den automatisierten Griff zum Handy tut, bleibt zu hoffen – zumindest vielleicht in Erinnerung an diesen Tag, der in den Klassen viel reale Kommunikation ermöglicht hat, die aufgrund der strengen Stundentaktungen sonst in dieser Art und Weise nicht möglich gewesen wäre.
Jede Klasse hatte sich für diesen Tag etwas vorgenommen, das sie im Gespräch, aber auch ganz praktisch für sich und die Schulgemeinschaft erarbeiten wollte. So entstanden Fotoausstellungen, Smartphone-Knigges, Schaubilder zur Handynutzung, App-Guides und vieles mehr. Es ging nicht darum, den technischen Fortschritt zu verteufeln, sondern den Umgang mit dem Smartphone zu reflektieren und so vielleicht zu einem bewussteren Nutzungsverhalten zu kommen. Um die Vorteile der technischen Wunderwerke auch auszunutzen, durften an diesem Tag zahlreiche Projektschritte mit dem eigenen Gerät bearbeitet werden. Damit dabei alles mit rechten Dingen zuging, waren alle Klassen, die an diesem Tag fotografierten und filmten, gleich am Morgen zu einem Vortrag der Polizei eingeladen, um noch einmal deutlich zu hören, was man hierbei -  hinsichtlich der Persönlichkeitsrechte - dringend beachten muss.
Nach der Bearbeitung wurden die Projektergebnisse von jeder Klasse festgehalten und ausgestellt, sodass für die Schule die Möglichkeit zu einem Ideen- und Erfahrungsaustausch entstand.
Für die Schüler der Oberstufe bot sich in den letzten beiden Schulstunden dann noch ein besonderes Highlight: Die Kemptener Impro-Theatergruppe „Wendejacken“! Über 150 SchülerInnen folgten im Theatersaal gespannt den spontanen Darbietungen, die die beiden Schauspielerinnen mit musikalischer Begleitung aus den Anregungen des Publikums entwickelten. Nicht nur künstlerisch war diese Aufführung beeindruckend, sondern hielt auch inhaltlich vielen Schülerinnen und Schülern den Spiegel vor.

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Im Rahmen des Projektes wurden aber nicht nur die Jugendlichen zu kritischem Denken angeregt, auch die gut 200 Eltern, die am Vorabend zum Handy-Vortrag des Medien-Pädagogen Uwe Buermann gekommen waren. Buermann, selbst Lehrer, Medienerzieher, Mitarbeiter bei IPSUM, Autor einschlägiger Fachbücher und bekannter Redner rund um das Thema Medienerziehung, schaffte es, in seinem Vortrag juristische Fakten sowie menschliche Erfahrungen und Anekdoten aus seiner nunmehr 20-jährigen Tätigkeit sehr kurzweilig weiterzugeben. Nebeneigentlich bekannten Tatsachen, dass bspw. die SIM-Karte eines Mobiltelefons rechtlich bis zum 16. Geburtstag des Kindes immer im Besitz der Eltern bleibt und damit auch eine Haftung für alles, was mit dieser Karte „getrieben“ wird, besteht, oder dass WhatsApp erst ab 16 Jahren erlaubt ist und Kinder, die dies vorher schon nutzen, sich unter Angabe falscher Daten den Zugang verschafft haben, konnte Herr Buermann mit aktuellen Ergebnissen aus der Hirn- und Schlafforschung aufwarten und vielen Anwesenden die Augen für die vielfältigen Probleme im Umgang mit dem Handy öffnen. Der sehr lehrreiche Abend bot zudem zahlreiche Anregungen, wie aus dem Ruder gelaufene Smartphonenutzung in den Familien überdacht und auch geändert werden kann.

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Wir danken allen, die sich diesem Gedanken-Experiment gestellt haben und vielleicht mit der Absicht nach Hause gegangen sind, ihr Kind, auch wenn es sicher mühsam sein wird, diesbezüglich nun etwas stärker zu begleiten. Herr Buermann empfahl mit einem Augenzwinkern hierzu die folgenden „3 B“: BEGLEITEN, BEGRENZEN, BETEN.
Auch nach dem Vortrag blieben viele Eltern noch, um einen regen Austausch untereinander zu führen – ein Zeichen für die Schule an diesem Thema dranzubleiben!
Wir freuen uns weiterhin auf eine gute Zusammenarbeit mit unserer Elternschaft, die wir auch im neuen Schuljahr zu unseren Sitzungen der Arbeitsgruppe „Erziehungspartnerschaft“ willkommen heißen. Vielleicht kann sogar die von einigen Eltern im Laufe des Abends favorisierte Solidarisierung im Klassenverbandim Sinne des „Begrenzens“ angegangen werden.
Informationen und Materialien, die im Vortrag erwähnt wurden (z.B. Handynutzungsvertrag), werden den Eltern über das Elternportal zur Verfügung gestellt.

[Christiane Haas, Andreas Müller-Tolk]

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