Besuch in Quiberon / Carnac 2017

Verfasst von Fachschaft Französisch. Veröffentlicht in Französisch - Austausch

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Am Montag, dem 24. April, trafen sich die 22 Schülerinnen und Schüler des Hildegardis-Gymnasiums, die im Dezember bereits Austauschpartner aus Quiberon und Carnac aufgenommen hatten, spätabends voller Erwartung, um in Begleitung ihrer Lehrkräfte Johanna Hodel-Fischer und Elke Zapf ihren Gegenbesuch in der Bretagne anzutreten.

Nach einer langen Nachtfahrt geriet die Reisegruppe auf dem Boulevard Périphérique in einen dichten Stau, so dass der für drei Stunden geplante Aufenthalt in der französischen Hauptstadt sich auf die Hälfte verkürzte. In Paris herrschte Ausnahmezustand: in der Zeit zwischen den beiden Wahlsonntagen und aufgrund der Gedenkfeier für einen kurz davor ermordeten Polizisten war die Polizeipräsenz im Stadtzentrum sehr hoch und die Schüler sahen sich mit Absperrungen, Straßenkontrollen und schwer bewaffneten Polizisten konfrontiert. Dennoch ließen die live Eindrücke von Notre-Dame, der Pyramide am Louvre und der Spaziergang vom Trocadéro zum Eiffelturm trotz aller Einschränkungen das Flair erahnen, das diese Stadt prägt.

Nach der Ankunft in Carnac am späten Dienstagnachmittag fanden sich die jeweiligen „corres“ bei Erfrischungsgetränken und Keksen rasch wieder; im Anschluss an die herzliche Begrüßung durch den Schulleiter brachten die Eltern ihre Gäste zu sich nach Hause.

Am Tag darauf nahmen die Kemptener Schüler am Unterricht in den beiden Collèges, Saint Michel in Carnac und Sainte Anne in Quiberon, teil und konnten so den französischen Schulalltag kennenlernen. Manch einer war von dem im Vergleich zu seiner eigenen Schule strengeren Ton der Lehrkräfte durchaus überrascht.

Am Donnerstag besichtigten die deutschen Schüler bei strahlend blauem Himmel, aber eisigen Temperaturen die Menhire von Carnac und erhielten von einer Französin auf Englisch anschauliche Erläuterungen zum mühsamen Prozess des Klopfens und Aufstellens der Steine sowie zur Megalithkultur generell. Sie wurden auch aufgefordert, den zahlreichen Theorien zur Funktion der „alignements“ ihre eigene hinzuzufügen. Nebenbei war es für die Kemptener erheiternd zu hören, wie die Muttersprache den Akzent einer erlernten Fremdsprache beeinflussen kann.

Die anschließende Fahrt nach Vannes, begleitet von zwei Damen des Comité de Jumelage, führte auf einer landschaftlich malerischen Strecke über La-Trinité-sur-Mer mit seinem beeindruckenden Hafenpanorama. Nach dem Picknick im Hafen von Vannes entdeckten die Schüler die Schönheiten des historischen Stadtzentrums anhand einer liebevoll vorbereiteten Stadtrallye, bei der sie unter anderem aktiv mit der Bevölkerung kommunizieren mussten. Nach dem obligatorischen Gruppenfoto in den Befestigungsanlagen erfolgte die Rückkehr in die jeweiligen Gastfamilien.

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Highlight der gemeinsamen Unternehmungen war am Freitag das Strandsegeln auf dem von der Ebbe freigegebenen Sand von Penthièvre. Die Jugendlichen tauchten in eine der Allgäuer Bergwelt ganz entgegengesetzte Lebenswelt ein und erfuhren, welchen Einfluss das Meer auch auf die Freizeitaktivitäten hat.

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 Auf ein Picknick im windgeschützten Innenhof des Collège St. Anne folgte die Besichtigung der Fischfabrik La Belle-Iloise mit Kennenlernen der Fischfang- und Produktionsverfahren von früher und heute; es war erstaunlich zu sehen, dass seit der Hoch-Zeit des Sardinenfangs in den 30er Jahren zur Qualitätssicherung viele Arbeitsprozesse per Hand beibehalten wurden. Anschließend gab es eine kurze Shopping-Möglichkeit in „Les Niniches“, wo alle Arten von süßen Leckereien den Besuchern das Wasser im Mund zusammenlaufen ließen.

Nach einer Regenerationsphase in den Familien lud eine erneute Zusammenkunft in der Maison des Associations zum deutsch-französischen Abend ein, liebevoll vorbereitet vom Comité de Jumelage und den Eltern, die mit bretonischen Spezialitäten für das leibliche Wohl der Gäste sorgten. Die Reden des Bürgermeisters von Quiberon, von Mme Coantic, der Présidente du Comité und Frau Hodel-Fischer hoben unisono die Bedeutung der langjährigen Partnerschaft zwischen Quiberon und Kempten hervor, nicht nur für die Erweiterung des persönlichen Horizonts und der Sprachkenntnisse der Jugendlichen, sondern auch für das Verständnis der gegenseitigen kulturellen Eigenheiten und somit letztlich für das friedliche Zusammenleben der Menschen in Europa. Bei bretonischer Musik luden Kreistänze Jung und Alt zum Mitmachen ein und sorgten für eine beschwingte Atmosphäre.

Am langen Wochenende um den 1. Mai kümmerten sich die Gasteltern um die Kemptener Jugendlichen wie um ihre eigenen Kinder: Reiten, Schwimmbad- oder Kinobesuche, Ausflüge in die nähere Umgebung und Bootsfahrten standen auf dem Programm.

Den letzten Tag in der Bretagne verbrachten die Schüler teils im Unterricht, teils mit einem eigenen Programm ihrer jeweiligen Schulen: Während die Jugendlichen in Carnac eine kurze Wanderung auf den „Tumulus“, einen megalithischen Grabberg, unternahmen und anschließend mit dem „petit train“ eine letzte Sight-seeing-Tour machten, bekamen die Austauschpartner in Quiberon eine Führung durch die Maison du Patrimoine und konnten sich mit einer alten Taucherglocke auf dem Kopf fotografieren lassen.

Foto Quiberon Tauchermaske klein

 

Um 16 Uhr bestiegen die Kemptener dann nach einem emotionalen Abschied von ihren Gastfamilien den Bus, der sie nach einer erneuten Nachtfahrt sicher nach Hause brachte. Als Adieu grüßte bei der Umfahrung von Paris noch einmal der beleuchtete Eiffelturm.

Johanna Hodel-Fischer und Elke Zapf

 

 

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