Beim Schatzsucher von Waltenhofen

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Im Rahmen der Lehrplanalternative Geologie Q12 werden im Unterricht Aufbau und Struktur von Gesteinen und Mineralen erarbeitet. Bei Herrn Willi hatten die Schüler*innen die Möglichkeit, alles darüber zu erfahren, wie funkelnde Kristalle entstehen, wie und wo man sie aufspüren kann und wie sie dann aus dem Gestein „befreit“ werden, um später in seinem „Bergkristall-Treff“ bewundert oder erworben werden zu können. Die Ausstellung, die bewundernde Ausrufe und Entzücken hervorrief, und auch die Vorträge werden von Herrn Willi aus reinem „Spaß an der Freude“ gemacht, um seine Begeisterung für ein sehr außergewöhnliches Hobby mit anderen Interessierten zu teilen.

 

In einer spannenden Präsentation mit vielen Bildern und Videos erklärte Herr Willi, der sich selbst als „Schatzsucher“ bezeichnet, dass sich seine Fundgebiete vor allem in der Schweiz, auf ca. 2500 m befänden. Um Kristalle suchen zu dürfen, müsse er dafür eine Lizenz erwerben, die es ihm erlaube, nach den oft mehrere Meter im Gestein versteckten Kristallen zu graben. Wir erfuhren, dass man eine wirklich gute Spürnase haben muss, um Kristalle zu finden und dass dieses Hobby auch überaus gefährlich ist, denn jedes Jahr kommen dabei Mineraliensucher ums Leben.

 

Herr Willi arbeitet allein oder mit einem Partner und ohne jegliche maschinelle Unterstützung. Wenn er eine Stelle entdeckt hat, die interessant sein könnte, so muss er mit Schaufeln, Meißeln und viel Muskelkraft teils bis zu 10 Tonnen Gestein abtragen und mehrere Meter tief in Klüfte und Gänge graben, um an seine Schätze zu kommen. Dafür braucht er natürlich mehr als einen Tag, so dass er nicht nur Kraft, sondern auch Ausdauer, Geduld und eine hohe Frustrationstoleranz mitbringen muss. Denn nicht jede Kluft birgt auch die begehrten Kristalle in sich!

 

Doch Herrn Willis besonderes Geschick, oder die Tatsache, dass nicht er die Kristalle findet, sondern diese ihn, wie er erzählt, zeigt sich deutlich, wenn man sich in seinem Ausstellungsraum mit den vielen Vitrinen, die alle mit funkelnden und glitzernden Kristallen bestückt sind, umsieht. Jedes Ausstellungsstück hat seine ganz eigene, spannende Geschichte und auch eine ganz eigene Bedeutung für den Schatzsucher. Da gibt es goldene Pyritkugeln, um die jeder Froschkönig Herrn Willi beneiden würde, riesige Bergkristalle, schimmernde Calcite, einen Pinguin (ein Kristall, der die Form eines Pinguins hat) und das Highlight der Ausstellung: eine Schieferplatte mit goldglänzenden Pyritwürfeln. Normalerweise sind die Pyrite in den Alpen nicht in dieser schönen Form zu finden, so dass Herr Willi mit diesem besonderen Fund große Aufmerksamkeit erregt hat. Dass er für die schwarze Platte mit den goldenen Würfeln sogar sein Leben riskiert hat, erfuhren wir ganz nebenbei. Ein Teil der Wand, in der sich die Pyrite befanden, brach ab und riss Herrn Willi mit. Er überlebte, kehrte nach einiger Zeit an die Stelle zurück und wurde belohnt mit seinem Fund, der in Kristallsucherkreisen als sensationell gilt.

 

Am Ende des Vortrages wurde gefachsimpelt und alle Ausstellungsstücke gebührend bewundert. Herr Willi beantwortete geduldig alle Fragen und Frau Nesges erwarb nicht nur eine kleine Kiste voller funkelnder „Schätze“, sondern auch eine der besonderen goldenen Kugeln. Ob diese wohl im Kolloquium, wie von einer Schülerin vorgeschlagen, analysiert werden muss? Man wird sehen….

 

 

Text und Fotos: Marion Nesges

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