Theaterstück „Arizona" im TiK zur Einwanderung in die USA

Verfasst von Fachschaft Spanisch. Veröffentlicht in Spanisch - Neuigkeiten

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v.l.n.r.: Regisseur Wolfgang Seidenberg, Autor Juan Carlos Rubio, Schauspieler: Birgit Reutter und Philipp Brammer

Besuch des Theaterstücks „Arizona“ in der Theaterwerkstatt des TIK - ein Artikel der Fachschaft Spanisch

Am 24. Oktober 2019 besuchten die Spanischkurse der Q12 von Herrn Beucker eine Vorstellung der musikalischen Tragödie „Arizona“ von Juan Carlos Rubio. Die deutschsprachige Inszenierung entstammt der Feder von Wolfgang Seidenberg (TIK) in Kooperation mit dem Theater Hof.

Das Stück handelt von einem amerikanischen Ehepaar, das sich dem berüchtigten „Minute-Men“-Projekt (Link) anschließt. Dieses hat es sich zur Aufgabe gemacht, die südlichen Grenzen der Vereinigten Staaten vor illegalen Einwanderern zu schützen und diese gegebenenfalls „rückzuführen“. Das Ehepaar reist zu diesem Zweck nach Arizona, um dort sein Lager aufzuschlagen.

Die beiden ˈProtagonistenˈ selbst sind eine Persiflage überzeichneter Charaktere und genau das macht sie so greifbar. George (Philipp Brammer) ist ein überzeugter Patriot, der fest daran glaubt, sein Land verteidigen zu müssen, wenn nötig mithilfe seiner Flinte. Von einem Kriegstrauma gezeichnet, ist er stets auf Halb-8-Stellung, trinkt Coca-Cola und trägt ein Käppi mit der Aufschrift „Make America Great Again“. Margret (Birgit Reutter) hingegen ist eine, ihrem patriarchalischen Ehemann überaus treue Hausfrau, die der ernsten Atmosphäre immer wieder mithilfe von Musik versucht zu entfliehen. Letzteres schafft sie mit Bravour.

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Fotos: Brigitta Weizenegger

Die gelernte Musicaldarstellerin Birgit Reutter bewies ihre geballte Gesangskompetenz mit Stücken wie „Somewhere“ aus der „West-Side-Story“, was so manchen Zuschauer die Ernsthaftigkeit des Themas für einen Augenblick vergessen ließ. Doch die angespannte Beziehung der beiden spitzt sich im Verlauf der Geschichte immer weiter zu und gipfelt in einer dramatischen Klimax à la Tarantino. Was am Ende bleibt, ist Entsetzen und Beschämung. „Arizona“ spricht ein aktuelles Thema an und packt es auch direkt beim Schopfe. Die Geschichte mag zwar einen Extremfall darstellen, in dem amerikanische Bürger in patriotischer Manie ihren perversen Nationalismus ausleben. Doch was schon beim Lesen des Titels so fern scheint, ist uns in Deutschland näher als je zuvor. Denn was eine Partei wie die AfD in ihren Reden proklamiert, unterscheidet sich im Kern nicht von den rassistischen Hetzreden eines D. Trump (Letzterer ist übrigens ein wiederkehrendes Motiv im Stück).

 Wir stehen kurz vor dem Abgrund. Rassismus und Nationalismus sind wieder salonfähig geworden und erfreuen sich der stetig wachsenden Anhängerschaar. Doch muss es bei uns wirklich so weit kommen? Melden sich morgen schon unsere eigenen „Minute-Men“? Es liegt in der Verantwortung jedes Menschen, sich immer wieder die Fragen zu stellen: Wo stehe ich in diesem ganzen Chaos? Wie würde ich handeln, wenn ein fremder Mensch vor meiner Haustür steht und mich um Hilfe bittet, weil er alles verloren hat. Und was wäre, wenn ich mich in seiner Lage befände?

„Arizona“ ist vor deiner Haustür, also versteck dich nicht, sondern mach sie auf.

Levi Bösker, Q12

 

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