DDR-Zeitzeuge berichtet

DDR Zeitzeuge 2019

"Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf“. Diese Mahnung gab Hans-Jochen Scheidler den Zehntklässlern auf den Weg, denen er am 10. Juli 2019 von seiner Haftzeit im DDR-Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen berichtet hatte.

1968 marschierten Truppen des kommunistischen Warschauer Pakts in die Tschechoslowakei ein, um die Reformbewegung der Prager Kommunisten niederzuschlagen. Um dagegen zu protestieren, verteilte Hans-Jochen Scheidler, damals Physik-Student in der DDR, Flugblätter. Die Reaktion der SED-Diktatur kam schnell: Scheidler landete für mehrere Monate in Isolierungshaft im Hochsicherheitsgefängnis der Staatssicherheit in Berlin-Hohenschönhausen, ohne dass er Zugang zu einem Anwalt hatte. Anschließend wurde er wegen „staatsfeindlicher Hetze“ zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Nach seiner Freilassung verwehrte ihm der Staat eine wissenschaftliche Karriere als Physiker. Anschaulich und eindringlich schilderte Scheidle seinen Zuhörern die Realität einer totalitären Diktatur, in der jede Kritik am Regime gnadenlos verfolgt wird und erinnerte sie daran, dass Freiheit nicht selbstverständlich ist, sondern täglich verteidigt werden muss.

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